Barock: Kubus in der Gartenidylle

Auch in Frankfurt ergriff die Bürger im Barock eine beinah fieberhafte Baulust. Während die Altstadt ihr „gotisches“ Gesicht wahrte, entstanden im neuen Stadtgebiet vor der Staufenmauer ganze Straßenzüge im barocken Stil. Besonders beliebt aber wurde der Bau von Gartenhäusern vor den Wällen, wofür zwischen 1720 und 1800 etwa 500 Gesuche beim Frankfurter Ackergericht, der zuständigen Behörde, eingingen. Die Maßstäbe dafür setzte das „Holzhausenschlösschen“, ein repräsentatives Herrenhaus mit Wassergraben, das der darmstädtische Hofbaumeister Louis Remy de La Fosse 1729 fertigstellte.

Erhalten blieb auch ein Gartenhaus auf dem Sachsenhäuser Mühlberg, ein fast kubischer Bau mit harakteristischem Mansarddach, errichtet um 1760. Einst idyllisch am Hang inmitten von Weinbergen gelegen und doch nicht allzu weit vom Stadtzentrum entfernt, ließen sich hier die Sommermonate angenehm verbringen. Die größtenteils verschieferte Fassade zur Straße hin wirkt eher verschlossen. Dafür öffnet sich das Haus auf den übrigen drei Seiten zum Garten. Dort ist es auf allen Geschossen, selbst im Dachstock, von großzügigen Fensterbändern mit grünen Läden umgeben. So boten alle Zimmer eine herrliche Aussicht über den terrassenförmig angelegten Garten hinaus auf die Stadt bis hin zu den Taunushöhen.

Gartenhaus am Mühlberg
Im Barockstil: Gartenhaus am Mühlberg, Frankfurt, Foto: Wolfgang Faust

Stets im (wechselnden) Privatbesitz gutsituierter Kaufmannsfamilien überstand das Haus auf dem Mühlberg alle späteren Baubooms. Über die meisten anderen Zeugnisse des bürgerlichen Barocks in Frankfurt dagegen ging bereits im 19. Jahrhundert die Mode hinweg. Sie wurden gnadenlos durch Bauten der Gründerzeit ersetzt. Immerhin blieb die barocke Hauptwache, errichtet 1729/30 von Stadtbaumeister Johann Jakob Samhammer, im Herzen der City erhalten.

Sabine Hock

Frankfurter Rundschau, Immobilienbeilage, Kolumne „Baustile in Hessen“ vom 24.12.2009

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