Ein Frankfurter Unternehmer der Gründerzeit

Zum 75. Todestag des Bierbrauers Conrad Binding

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte Conrad Binding in kürzester Zeit aus einem kleinen Betrieb die größte Brauerei Frankfurts. Damit legt der umtriebige und engagierte Frankfurter den Grundstein für die erfolgreiche Marke, die seit 1952 zum Oetker-Konzern gehört. Vor 75 Jahren, am 17. Dezember 1933, ist Conrad Binding in der Mainstadt gestorben.

Frankfurt am Main (pia) Seinem Vater würde er es schon zeigen. Unbedingt wollte es Conrad Binding in seinem Handwerk zu etwas bringen. Sein Vater hielt nicht viel von solchen Plänen. Der ehrsame Frankfurter Bäckermeister hätte den Sohn lieber als honorigen Rechtsanwalt gesehen. Doch der Junge setzte früh seinen eigenen Willen durch - und wurde Bierbrauer. Nach acht Lehr- und Wanderjahren erwarb Binding am 1. August 1870 eine kleine Brauerei am Garküchenplatz in der Altstadt. Mit einem Buckel voller Schulden, die er für den Kauf des Betriebs und erste Hopfenlieferungen aufnehmen musste, begann er sein Werk. Morgens schuftete er in der Brauerei, nachmittags besuchte er die Kunden. Bereits in seinem ersten Geschäftsjahr 1870/71 konnte er seinen Absatz mehr als verdreifachen, und 1880/81 produzierte er schon 56.825 Hektoliter seiner Marke „Binding Bier“. Innerhalb von einem Jahrzehnt hatte Conrad Binding damit seine Brauerei vom kleinsten zum größten Betrieb der Branche in Frankfurt ausgebaut.

Der Mainstadt ist die Marke treu geblieben

Vor 75 Jahren, am 17. Dezember 1933, ist Conrad Binding kurz vor seinem 87. Geburtstag in seiner Vaterstadt Frankfurt gestorben. Damals hatte er sich längst aus dem von ihm gegründeten Unternehmen zurückgezogen. Doch bis heute ist sein Name mit dem dort gebrauten Bier verbunden. Die frühere Binding-Brauerei AG, die seit 1952 zum Oetker-Konzern gehört, firmiert inzwischen im Interesse des überregionalen Marktes allerdings unter dem Namen „Radeberger Gruppe“. Unter dem Dach dieser größten deutschen Privat-Brauereigruppe besteht die Binding-Brauerei AG, zusammen mit der 2001 übernommenen Henninger Bräu AG, am angestammten Standort in Frankfurt fort. Den bisherigen Hauptsitz auf dem Sachsenhäuser Berg wird das Unternehmen zwar bald aufgeben. Aber auch in Zukunft möchte Radeberger weiter in der Mainstadt bleiben.

Von der regionalen Traditionsbrauerei zum deutschen Marktführer

Den Grundstein für die Entwicklung der Frankfurter Firma von einer regionalen Traditionsbrauerei zum deutschen Marktführer der Bierbranche hat Conrad Binding gelegt. Mit unternehmerischem Gespür und Geschick erweiterte und modernisierte er die Brauerei stetig. Besonders engagiert kümmerte er sich um die Vermarktung „seines“ Biers und setzte schon früh moderne Marketingmethoden ein. So inszenierte er mit Begeisterung aufwändige PR-Auftritte und Produktpräsentationen seines Unternehmens bei internationalen Ausstellungen und nationalen Großereignissen. Eine der ersten Aktionen dieser Art startete er auf dem V. Deutschen Turnfest 1880 in Frankfurt, wo er mit seiner Bierhalle auf dem Festplatz zum „Standquartier von den Münchner Turnern bestimmt“ wurde: „Der beste Beweis, daß es der beste Stoff auf dem Festplatz war“, notierte er später stolz in seinen Erinnerungen. „Das Turnfest trug riesig zum Renommee von Binding Bier bei. Noch viele Jahre später sagte mir der Wollfabrikant Deininger in München, er hätte seit diesem Turnfest kein besseres Bier getrunken.“

Der Brauereibesitzer verstand es auch zu leben

Von 1881 bis 1884 verlegte Binding den Betrieb völlig auf den Sachsenhäuser Berg, in das Brauereienviertel an der Darmstädter Landstraße, wo er nach und nach eine hochmoderne Brauerei mit ausgedehnten Felsenkellern aufgebaut hatte. Kurz darauf entschloss er sich, nicht ganz leichten Herzens, seine Brauerei in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt war diese Entscheidung sehr weitblickend: Damit war die finanzielle Basis für die Entwicklung der Brauerei zu einem Großunternehmen geschaffen. In der 1885 gegründeten Aktiengesellschaft, der „Binding’schen Brauereigesellschaft“, übernahm Binding den Vorstandsvorsitz, was aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass sein Interesse an dem Unternehmen allmählich etwas erlahmte. Offenbar verstand es Conrad Binding nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu leben. Mit seiner zweiten Frau führte er ein großbürgerliches, gastliches Haus, betätigte sich als Kunstsammler und Mäzen, frönte seiner Jagdleidenschaft und unternahm ausgedehnte Reisen

Eine Bierhalle und ein Nilpferd für den Zoo

Im Jahr 1895 gab Conrad Binding den Vorstandvorsitz in der Brauerei an seinen Bruder Carl ab und wechselte als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Aber auch als „Privatier“ dachte der 49-Jährige nicht an einen echten „Ruhestand“. Binding diente seiner Vaterstadt als Stifter und Stadtrat, gehörte von 1909 bis 1917 als ehrenamtliches Mitglied dem Magistrat an. Er stiftete einen repräsentativen Pokal für das Ratssilber, schenkte dem Zoologischen Garten eine Bierhalle und ein Nilpferd namens „Lieschen“, förderte den Palmengarten und unterstützte die Gründung der Universität. Auch galt er als großzügiger Förderer des Frankfurter Vereinslebens. Im Frühjahr 1921 fusionierte die Binding’sche Brauereigesellschaft, die infolge der Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit in Existenznöte geraten war, mit der Hofbierbrauerei Schöfferhof und der Frankfurter Bürgerbräu AG zur „Schöfferhof-Binding-Bürgerbräu AG“. Für Conrad Binding bedeutete diese Fusion eine bittere Niederlage, zumal das von ihm gegründete Unternehmen seinen Namen weitgehend aufgeben musste. Enttäuscht trat er aus dem Aufsichtsrat aus und zog sich völlig aus dem Geschäft zurück. Letztlich stellte jene Fusion jedoch die Weichen für den Erhalt und den weiteren Aufstieg des Unternehmens. Das konnte Conrad Binding nicht so sehen. Er hat die Brauerei nie wieder betreten.

Sabine Hock

Service PRESSE.INFO, hg. v. Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main, Feature vom 09.12.2008

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