Heinrich Heine in Frankfurt

Während seiner Aufenthalte sorgte der scharfzüngige Dichter in der Mainstadt für Furore

Frankfurt am Main (pia) Vor 150 Jahren starb am 17. Februar 1856 Heinrich Heine in Paris. Im Laufe seines Lebens weilte der Dichter dreimal in Frankfurt.

Zuerst kam er 1815 mit seinem Vater, dem jüdischen Kaufmann Samson Heine, der in Düsseldorf mit englischen Samtstoffen handelte, zur Messe in die alte Reichsstadt am Main. Der Vater hatte eigentlich gehofft, den damals knapp 18-jährigen Filius in Frankfurt für das Bankgeschäft zu begeistern, und gab ihn daher in die Lehre bei dem Bankier Veitel Rindskopf. Doch nach eigenen Angaben hielt Heine es „höchstens drei Wochen“ dort aus, bevor er zurück ins Elternhaus floh. Er hatte „kein Talent zum Erwerb“.

Schon während seines ersten Frankfurtaufenthalts, bei einem Besuch im Lesekabinett einer Freimaurerloge, begegnete Heine dem Publizisten Ludwig Börne, der ihm sofort imponierte. Auf der Reise nach München 1827 machte Heine, inzwischen mit seinen Gedichten und Reisebildern selbst als Schriftsteller hervorgetreten, eigens Station in Frankfurt, um Börne aufzusuchen. „Er empfing mich mit Herzlichkeit und Liebe“, erzählte Heine später, „es vergingen keine drei Minuten, und wir gerieten ins vertraulichste Gespräch.“ Danach schleppte Börne den Kollegen zu seiner Freundin Jeanette Wohl, um ihm dann „die übrigen Merkwürdigkeiten Frankfurts“ zu zeigen. „Im gemütlichen Hundetrapp“ durchstreiften die beiden Schriftsteller, Seite an Seite, die Stadt. Die drei Tage in Börnes Gesellschaft, so meinte Heine rückblickend, „verflossen in fast idyllischer Friedsamkeit“. Erst nach Börnes Tod rechnete Heine mit dem Konkurrenten ab, in einer Denkschrift (1840), die prompt einen Skandal verursachte.

Im Frühjahr 1831, auf dem Weg nach Paris, kam Heine erneut auf der Durchreise nach Frankfurt. Er wollte hier seinen Bonner Studienfreund Johann Baptist Rousseau treffen, den inzwischen berühmten Literaten, der zur Schokolade im stattlichen Kreis seiner Verehrer geladen hatte. Als letzter platzte Heine in die Gesellschaft. Geckenhaft elegant gekleidet und eine Rose in den Fingern schwenkend, wippte er lässig auf dem Sofa und gab zunächst nur gekünsteltes Gelispel von sich, um dann in revolutionäre Tiraden der blutrünstigsten Art auszubrechen. Nach diesem Auftritt, „erledigte“ Heine gleich noch einen Konkurrenten. Der Satiriker Moritz Gottlieb Saphir wollte eigentlich nur wissen, wie der Kollege die vielgepriesenen Frankfurter Promenaden auf dem Anlagenring finde. „Der Umgang um die Stadt ist jedenfalls interessanter als der Umgang in der Stadt“, konterte Heine bissig. Obwohl Heine nur Spott für die Stadt übrig hatte, zeigten sich die Frankfurter ihm gegenüber ganz und gar nicht so „kleinlich“. Eine von der Frankfurter Zeitung initiierte und von Frankfurter Bürgern gespeiste Stiftung sorgte seit 1897 stillschweigend für die Pflege von Heines Grab auf dem Friedhof Montmartre in Paris.

Im Anlagenring, der in jenem spöttischen Urteil des scharfzüngigen Publizisten immerhin noch glimpflich davon kam, wurde Heine 1913 ein Denkmal gesetzt. Es war das erste Denkmal für den Dichter auf deutschem Boden.

Literaturtipp: „Der Rabbi von Bacherach“, Novellenfragment von Heinrich Heine (1824/40). Darin schildert Heine sehr eindrucksvoll die Stadt Frankfurt, das dortige Messetreiben und die Judengasse im ausgehenden Mittelalter

Sabine Hock

Tagesdienst, hg. v. Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main, vom 06.02.2006

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